Hauptamtliche informieren sich über Bistumsprozess „Bereitschaft zur Bewegung“
„Schön, dass man sieht, wie viele wir sind“. Mit diesen Worten eröffnete Prälat Helmut Wanka, Personaldezernent im Bischöflichen Ordinariat, das Treffen der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Dienstag in Limburg. Etwa 180 Frauen und Männer waren gekommen und informierten sich darüber, welche Erfahrungen in den Pilotprojekten beim Bistumsprozess „Bereitschaft zur Bewegung“ gemacht wurden und zu welchen Ergebnissen man gekommen ist. Ein „ermutigendes Signal“ nannte Bischof Dr. Tebartz-van Elst die Teilnahme so vieler Mitarbeitenden der Pastoral an dem gemeinsamen Treffen. „Wo immer ich im Bistum unterwegs war, habe ich erlebt und erfahren, wie viel durch Sie an Vermittlung geschieht“, so der Bischof in seiner Ansprache. „Verständliche Vorbehalte gegen Veränderungen wurden kleiner, weil Sie Überzeugungsarbeit und Kommunikation geleistet haben“, anerkannte Tebartz-van Elst.
Die neuen Wege in der Pastoral seien nicht am grünen Tisch beschlossen worden und es gäbe für den nötigen Aufbruch keine Patentrezepte. Dennoch müsse man in den Blick nehmen, welche Veränderungen sich jetzt bereits klar abzeichnen und worauf man künftig in der Pastoral achten müsse. Möglichst früh müsse man sich den Entwicklungen stellen, dann werde aktive Gestaltung möglich. Es gelte, die „Situationen vor Ort kennen zu lernen und dann zu bedenken, was behalten werden kann und welche Wege überdacht oder verändert werden müssen“. Die Visitationen seien dafür die beste Gelegenheit. Die Ergebnisse und Erfahrungen würden in einer Nachklausur ausgewertet und die Empfehlung zur zukünftigen Struktur in den Beratungsweg mit den Gremien gegeben.
„Ich weiß um die Irritationen und Befürchtungen, dass die Nähe der Kirche zum Leben der Menschen verloren gehen könnte“, so Tebartz-van Elst. Die Kirche wolle und müsse nah bei den Menschen bleiben, nur müsse diese „Nähe anders gestaltet werden“. Die Kirche müsse über die Grenzen der Pfarrgemeinde hinweg vernetzen. Alle Ämter und Dienste seien in der Kirche unverzichtbar, weil sie „wesenhaft zu Kirche gehören“, so der Bischof von Limburg. Künftig müsse der hauptamtliche Dienst der Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen, Gemeindreferentinnen und Gemeindereferenten eine neue Facette wahrnehmen. Das Ehrenamt müsse besser unterstützt werden. Die Kirche brauche Menschen, die sich aus der Kraft von Taufe und Firmung für ihre Mitmenschen engagieren wollen. Dazu bedarf es hauptamtlicher Unterstützung und Anleitung.
Die Erfahrungen in den Piloträumen haben gezeigt, dass Aufbruch da gelinge, wo es konkrete Beratung, aktive Beteiligung und gute Kommunikation gebe. Tebartz-van Elst forderte die Teilnehmenden auf, ihre „geistliche Verwurzelung als Antriebsquelle“ zu stärken.
Johannes Weuthen vom Dezernat Pastorale Dienste präsentierte die Ergebnisse aus den Piloträumen. „Es ist“, so Weuthen, „praktisch sehr schwierig, wirklich Leichtpunkte zu setzen und die Schwerpunkte konsequent zu verfolgen. Das ist die Erfahrung aus den Pastoralen Räumen, aber auch die Erfahrung im Ordinariat.“ Anschließend gingen die Teilnehmer in Gesprächsgruppen ins Detail: Die hauptamtlichen Mitarbeiter gaben ihrer Sorge um die „Nähe vor Ort“ und die gewachsene „Gemeinde-Identität“ Ausdruck. In den Pastoralen Räumen müssten längere Weg zurückgelegt werden, das müsse organisiert werden. Die Ausbildung müsse die Kandidaten darauf vorbereiten, dass der Berufsalltag sich verändere und damit auch neue Anforderungen bewältigt werden müssen. Den hauptamtlichen pastoralen Mitarbeitern müsse eine klare Position in der Kirche zugeschrieben werden, die ihre Aufgabe und ihren Auftrag deutlich benenne.
Auf die vielfältigen Fragen und Anregungen ging Bischof Tebartz-van Elst in seinem abschließenden Statement ein. Er nehme die „Angst vor einer Zentralisierung“ deutlich wahr, jedoch verstehe sich die Zusammenarbeit im Pastoralen Raum und der Pfarrei der Zukunft nicht als zentralisierte Einheit. Vielmehr soll Nähe vor Ort das leitende Prinzip in der Seelsorge bleiben, jedoch müsse die Seelsorge auch die veränderten Lebensbedingungen und auch Bedürfnisse der Menschen wahrnehmen und darauf reagieren. Die sechs Piloträume in städtischer Atmosphäre, ländlichem Raum und Diaspora-Situation repräsentierten die verschiedenen Situationen von Kirche im Bistum. Die Kirche müsse auf die Menschen, die dem Glauben fernstehen, stärker zugehen und die Frage nach Gott im Alltag der Menschen wach halten oder neu wecken. Tebartz-van Elst wies auf die Schwierigkeit hin, den „eigenen binnenkirchlichen Jargon“ zu überwinden und eine Sprache zu finden, die die Menschen verstünden.
Besonders im Gespräch mit erwachsenen Taufbewerbern werde diese Herausforderung deutlich. Darin liege aber auch die große Chance, den „eigenen Glauben neu auszudrücken und von Gott zu sprechen“, so der Bischof.